infoblatt01 Jänner09


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An der Wiege des alpinen Skilaufs. Das Besondere der Arlberg-Region

Auf den Spuren eines Wunders in Weiß wandelt ein Forscherteam im Auftrag des Vereins ski.kultur.arlberg

Verkehrswesen Lech - von Willy Fetz Lech - KettenfahrzeugePioniergeist, Unternehmertum, gesellschaftlicher Aufbruch und eine imposante winterliche Gebirgslandschaft bilden eine einzigartige Symbiose, welche die Marke »Arlberg« als Wiege des alpinen Skilaufs entstehen ließ. Auch wenn das Gehen auf zwei Brettern in den Ebenen Skandinaviens weit in die Geschichte zurückreicht und Alpinisten überall im Alpenraum begannen, die winterlichen Berge auf Ski zu besteigen – der Erste war Karl Otto aus Murnau mit der Besteigung des Kocheler Heimgarten. Dies war der Startschuss für die Entwicklung des alpinen Skilaufs am Arlberg zum In-Sport der modernen Gesellschaft. Der Aufarbeitung dieser und weiterer Pionierleistungen für die nachfolgenden Generationen widmet sich der Verein Ski.Kultur.Arlberg. Die organisatorischen Strukturen haben die Verantwortlichen im Jahre 2008 aufgebaut. Die Arbeit kann losgehen.

Als Brauchform etabliert sich die durch Hilfsmittel unterstützte Fortbewegung im Schnee vor allem in den Mittelgebirgen und im Voralpenland. In den Hochalpen hat der Ski noch nicht Eingang gefunden – mit wenigen Ausnahmen. Am Tannberg beginnt die Bergbevölkerung schon Ende des neunzehnten Jahrhunderts, den Wert des Ski als winterliches Beförderungsmittel zu erkennen. Bald darauf bringt die neu eröffnete Arlbergbahn Alpinisten heran, welche die Bretter für winterliche Bergund Gipfeltouren einsetzen. Noch um die Jahrhundertwende bis in die kriegerische Auseinandersetzung im Ersten Weltkrieg hinein ist das alpine Skilaufen vornehmlich zweckorientiert. Doch allmählich verschiebt sich der Beweggrund hin zum Skilaufen um des Skilaufens willen, und die Mehrzahl der Gäste sucht das sportliche Vergnügen im Schnee und wählt ihre Tourenziele mit Rücksicht auf deren Eignung zum Skilaufen. Von Beginn an steht der Arlberg im Zentrum dieser Entwicklung.

Lech am Arlberg, Foto Verlag Nipo

Seine Pioniere begeistern die Menschen mit ihrem skiläuferischen Können und geben es bereitwillig und mit großem Engagement an die Lernenden

weiter. Sie führen ihre Gäste auf zwei Brettern hinaus in die Natur der winterlichen Alpen. Doch die Pioniere begeistern nicht nur in sportlicher Hinsicht, sondern sie bestimmen den Fortschritt und setzen Trends. Skilaufen ist nicht mehr Mittel zum Zweck, sondern Vergnügen, Prestige, körperliche Ertüchtigung. Der gesellschaftliche Stellenwert des Skilaufs steigt mit der zunehmenden Erschließung der Skigebiete, die der breiten Masse der Bevölkerung das Vergnügen „Skilauf“ ermöglicht. Der Arlberg ist der Trendsetter des alpinen Skilaufs schlechthin – wohl auch deshalb, weil die Bevölkerung von Anfang an fest zusammenhält. Gastlichkeit, Erfindergeist, Unternehmertum und die Gabe der Begeisterungsfähigkeit sind für die Arlberger von jeher Selbstverständlichkeiten.

Die Gründung von Skischulen, der Ausbau des Beherbergungswesens, der Bau von Aufstiegshilfen, die Anpassung der Zubringerstraßen an die Individualmobilität sowie die Intensivierung der Pistenpräparation sind in der Gesamtheit und in ihrem Zusammenspiel eine Stärke der Region, die von Beginn an weltweit Vorbild ist. Viele Regionen dieser Erde nehmen Maß am Arlberg, so dass sich der alpine Skisport über die ganze Welt verbreitet. Zu Recht wird der Arlberg als die Wiege des alpinen Skilaufs beworben.

Die Forschungsarbeiten werden diese Vorreiterrolle herausarbeiten und die Vielschichtigkeit der Entwicklungen, die gleichzeitig die Grundlage dieses Phänomens bilden, dokumentieren – das Forscherteam hat sich zum Ziel gesetzt, das Wunder in Weiß wissenschaftlich zu begründen. Die Auswertung von Zeitzeugenberichten bildet neben der Literaturanalyse eine Grundlage der Forschungsarbeit. Darüber hinaus basiert die Forschungsarbeit auf Bilddokumenten, die derzeit, neben Filmen und weiteren Dokumenten wie Zeitungsausschnitten, gesammelt werden.

Für 2009 ist eine Sonderausstellung geplant, in deren Rahmen Zeitzeugengespräche durchgeführt werden. Ausführliche Informationen hierüber finden Sie im Artikel zum Arbeitsprogramm 2009 von Ski.Kultur.

Lech am Arlberg, Foto Verlag Nipo

Sportlichkeit, Eleganz und Kameradschaft vor der Kulisse einer imposanten Winterlandschaft

Der Arlberg als Traumziel der »Wirtschaftswunder-Gesellschaft«

Fam. Klette Satzger - von A. Christenson München - Winter 1963

Das »Wirtschaftswunder« der Nachkriegszeit bringt Deutschland, Österreich und anderen Ländern, die politisch an den Westen gebunden sind, ein kollektives Mehr an Einkommen, Bildung, Recht, Mobilität, Wissenschaft und Massenkonsum. Die Gesellschaft wird, wie der Soziologe Ulrich Beck (1984) ausführt, »insgesamt eine Etage höher gefahren. .... Gleichzeitig wird ein Prozeß der Individualisierung und Diversifizierung von Lebenslagen und Lebensstilen in Gang gesetzt.« Immer mehr Menschen sind jetzt in der Lage, ihren Traum, sich sportlich-elegant zu kleiden, sich dynamisch zu zeigen und den Gewalten der winterlichen Natur auf zwei Brettern zu begegnen, zu verwirklichen. Die Arlberg-Pioniere stellen sich früh auf die neuen Gegebenheiten ein und schaffen Angebote, die dieses neue Klientel dankbar annimmt.

Fam. Klette Satzger - von A. Christenson München - Winter 1963Das Foto rechts spiegelt die große Freiheit der Zeit des Aufschwungs wider. Sportlich-elegant gekleidet und in Gesellschaft ihres Skiführers Arthur Strolz posieren Mitglieder der Lecher Stammgäste-Familien Satzger und Klette vor der beeindruckenden Kulisse der Winterlandschaft des Arlberg. Die Liebe zum Skilauf und zur Arlbergregion ist der Grund dafür, dass die beiden Familien die Geschichte des Skitourismus am Arlberg mitgeschrieben haben.

Großmutter Anita Klette wird 1890 in Dresden geboren. Sie lebt in Hamburg, München und Wien, studiert Germanistik. Ihren ersten Mann verlässt sie und arbeitet, um ihre Kinder zu ernähren. Sie war, wie sich ihre Enkeltochter Ginka (Andrea) Christenson erinnert, „ein ganz wilder Typ“, befreundet mit C. G. Jung und Hermann Hesse, und: eine Skipionierin! Schon 1904 steht sie auf Ski. Ihre Liebe gilt den Bergen, und ganz besonders den Bergen im Schnee. Anfangs läuft sie im Rock Ski, dann aber schneidet sie der Beweglichkeit wegen ihren Rock zwischen den Beinen auf und bindet ihn mit Lederschnüren zusammen.

Im Winter 1927/28 reist Anita Klette erstmals von ihrem Wohnort Penzberg in Bayern aus nach Zürs. Vom Bayerischen zieht sie nach Igls bei Innsbruck, und schließlich nach Zürs. Ihre große Liebe zum Skilauf, wie auch die Freude am Bergsteigen im Sommer, vererbt sie ihrem Sohn Peter, dem Vater von Ginka. Peter reist im Jahr 1935 erstmals alleine nach Lech, mit dem Wiener Techniker-Cercle. Mit dabei sind Imre und dessen Frau Maria (Mirli) Satzger. Die beiden leidenschaftlichen Skiläufer Peter Klette und Imre Satzger sind ihr Leben lang freundschaftlich verbunden.

Als Peter Klette nach dem Krieg aus der russischen Gefangenschaft zurückkommt, ist ihm am wichtigsten, wieder skifahren zu können. Anfang der 1950er Jahre fährt er im Kübelwagen nach Lech. Sein Hochzeitsdatum ist der 28. Dezember 1953. Die Heirat findet zwischen zwei Abfahrten in Bad Gastein statt. Familie Klette reist mit Imre und Maria Satzger und deren Kindern Mauki und Pippa nach Lech zum Skilaufen mit Arthur Strolz.

So geht die Begeisterung über auf Peters Tochter Ginka. Sie beginnt im Alter von drei Jahren mit dem Skilauf, und sie zieht schon früh, „vor allen anderen Kleidern“, Skischuhe an. In Lech lernt sie das Skifahren von Skilehrern wie Trude Jochum-Beiser, Sigrun Nenning, Gisbert Nenning, den Fetz-Brüdern Heinrich und Wolfgang, Bruno Strolz und Wolfgang Huber.

„Wenn einen mal der Arlberg gebissen hat, kommt man gar nicht mehr weg. Wie ein Virus. Für mich ist es Zuhause.“, berichtet Ginka (2008). Ihr Sohn Lucas, geboren 1990, ist ganze sechs Wochen alt, als er zum ersten Mal nach Lech kommt. Seine Begeisterung ist so groß, dass er inzwischen Skilehrer-Anwärter ist und seine erste kleine Saison hinter sich hat. Für die beiden anderen Urenkel von Anita Klette, Matthias und Nicolaus, „gibt es auch nur Arlberg und vor allem Lech“. Und Matthias hat bereits ein Praktikum im Hotel Schmelzhof in Lech absolviert.

Ski.Kultur.Arlberg - Arbeitsprogramm 2009

Die im Vorjahr gebildete Arbeitsstruktur ist eine „gesunde“ Basis für eine solide Arbeit im Jahr 2009

Das mit EU Leader-Mitteln unterstützte Projekt wurde im Jahr 2008 im Einzelnen definiert. Die wissenschaftlichen Arbeiten begannen im September letzten Jahres. Aus dem Projekt hervorgehen werden wissenschaftliche Publikationen und ein historischer Roman. Ziel des Projektes ist des weiteren die Sammlung von Fotos, Filmen, Zeitzeugenberichten und literarischen Dokumenten zum Thema, der Aufbau von Strukturen für die Inventarisierung derselben, die Prüfung der Machbarkeit eines Archivs sowie die Durchführung von Ausstellungen.

Team: v.l. Sabine Dettling, Gerhard Holzknecht, Birgit Ortner, Franz Rüf, Robert Strolz, Stefan Jochum, Stefan BischofDer Arbeitsplan der Projektgruppe für das Jahr 2009 umfasst: Mobilisierung. Information von Bürgern und Gästen über das Projekt, vor allem über die Dokumentensammlung und die Zeitzeugenberichte. Schwerpunkt für 2009 wird die Ausstellung im Huber Haus sein. Parallel zur Themenausstellung des Landes Vorarlberg in der Lecher Postgarage werden im Huber Haus Bilddokumente ausgestellt sein. Die Bilder werden nach Themen geordnet ausgestellt. Besucher der Ausstellung, die zu den einzelnen Bildern Hinweise geben können, sind hierzu herzlich eingeladen.

Wissenschaftliche Arbeiten. Das Team von Dr. Sabine Dettling arbeitet derzeit folgende Themen auf:

  • »Skisport und Skitourismus im Spiegel der Medien« Dissertation von Karolina Johnson M. A.
  • »Zur Entwicklung des alpinen Skilaufs am Arlberg: Eine Untersuchung unter bewegungstechnischen und ausrüstungsspezifischen Aspekten« Diplomarbeit von Julia Meier
  • »Die Entwicklung der skitouristischen Infrastruktur von Lech und Zürs unter besonderer Berücksichtung der Aufstiegshilfen, Skipisten und Skirouten« Bachelorarbeit von Madlen Bordne
  • »Die Entwicklung von Skisport und Skitourismus am Arlberg – eine Gesamtschau« Teilprojekt von Dr. Sabine Dettling
  • »Die Entwicklung der Hotellerie am Arlberg« Diplomarbeit von Michael Scheu (abgeschlossen)
  • »Vom Winterbergsteigen zum alpinen Skilauf« Teilprojekt von Dr. Sabine Dettling (abgeschlossen)


Außerdem wurde Dr. Sabine Dettling eingeladen, einen Essay im Katalog »Schnee. Eine Sommerausstellung – Spuren in der Kunst und Kultur« mit dem Titel »Historische Entwicklung von Skisport und Skitourismus von 1880 bis 1945 (Schwerpunkt Arlberg-West« zu verfassen. Die Ausstellung des Vorarlberger Landesmuseums findet vom 20. Juni bis zum 4. Oktober 2009 in Bregenz und in Lech statt.

Restaurierung, Digitalisierung. Das Huber Haus in Lech ist die Anlaufstelle für die Abgabe von Dokumenten und Fotos. Mag. Birgit Ortner, Leiterin des Huber Hauses, organisiert mit dem wissenschaftlichen Team die Digitalisierung der Dokumente und deren Inventarisierung in einer Datenbank (M-Box). Vorgesehen ist auch eine/n Mitarbeiter/in, die in das M-Box System eingearbeitet ist und Mag. Birgit Ortner tatkräftig unterstützen wird. Ziel ist, das Bild- und Dokumentenmaterial möglichst umfassend elektronisch zu erfassen.

Planung Arlberg-Skiarchiv und Skimuseum. Ziel dieses Projektes, das im Herbst 2009 starten soll, ist, Möglichkeiten und Machbarkeiten für den Ausbau des Archivs am Standort »Huber Haus« zu prüfen und ein Museumskonzept zu erarbeiten. Als Ergebnis werden Entscheidungsunterlagen für Verein und Gemeinde erwartet. Das Kernteam besteht in der aktuellen Phase aus Gerhard Holzknecht (Koordination), Dr. Sabine Dettling (Wissenschaft), Mag. Birgit Ortner (lokale Anlaufstelle Huber Haus), Franz Rüf (Netzwerk, administrative Unterstützung im Projekt).

 

Nachrichten
22.12.2014
"Spuren. Skikultur am Arlberg" ab sofort im Handel erhältlich!
Nach langjähriger Forschungsarbeit konnte der Verein ski.kultur.arlberg kürzlich als Ergebnis der zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten den populärwissenschaftlichen Band "Spuren. Skikultur am Arlberg" präsentieren. Das Buch lädt seine Leserinnen und Leser zu einer Reise in die Geschichte von Skisport und Wintertourismus.
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18.09.2014
„Spuren - Skikultur am Arlberg“ erscheint!
Das Buch „Spuren - Skikultur am Arlberg“ lädt seine Leserinnen und Leser ein zu einer Reise in die Geschichte von Skisport und Wintertourismus. Der aufwendig gestaltete Band führt durch Epochen, welche die Herausbildung der „Skiberge“ um die Valluga, der Königin des Arlberg, sowie der Routen hin zum Skigipfel­glück auf Ski und via Seilbahn ebenso beleuchtet wie die Entwicklung von Ausrüstung und Fahrtechnik, von Skilehr- und Vereinswesen.
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30.12.2013
Vorschau Buchneuerscheinung "Spuren - Skikultur am Arlberg"
„Spuren - Skikultur am Arlberg“ lädt seine Leserinnen und Leser ein zu einer Reise in die Geschichte von Skisport und Wintertourismus. Der aufwendig gestaltete Band führt durch Epochen, welche die Herausbildung der „Skiberge“ um die Valluga, der Königin des Arlberg, sowie der Routen hin zum Skigipfelglück auf Ski und via Seilbahn ebenso beleuchtet wie die Entwicklung von Ausrüstung und Fahrtechnik, von Skilehr- und Vereinswesen.
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