infoblatt03 November09

„Willkommen auf Tannbergs Höhen!“ ski.kultur.arlberg präsentiert 100-Meter-Wand

Eine einhundert Meter lange Informationswand von ski.kultur.arlberg illustriert die regionale Geschichte des Skilaufs von 1884 bis 1938.

v.l. Elmar Walch (Alt-Skischulleiter), Hubert Schwärzler, TR DI Michi Manhart und Max Weissengruber (Skischulleiter Oberlech)

„Willkommen auf Tannbergs Höhen!“ Mit diesen Worten begrüßte Stefan Jochum, Vizepräsident von ski.kultur.arlberg, am Morgen des 3. Oktober die Teilnehmer des ersten wissenschaftlichen Symposiums zum Forschungsprojekt »Auf den Spuren eines Wunders in Weiß« und zahlreiche Interessierte auf dem Rüfiplatz in Lech am Arlberg. Das Datum der Veranstaltung war von den Verantwortlichen nicht ohne Bedacht ausgewählt worden: Am 3. Oktober 1909, genau vor einhundert Jahren, wurde die Flexenstraße eröffnet, welche fortan den immer zahlreicher werdenden Skiläufern den winterlichen Arlberg einfach und sicher zugänglich machen sollte.

In seiner Ansprache zur Einweihung der 100-Meter-Wand von ski.kultur.arlberg, die aus 30 an Bauzaungittern befestigten Großelementen besteht, welche bedruckt sind mit rund 410 Texten aus Zeitungen und Zeitschriften sowie zahlreichen Fotografien, vergegenwärtigte Stefan Jochum dieses historische Ereignis, welches einen würdigen Anlass dafür bot, aktuelle Forschungsergebnisse von ski.kultur.arlberg der Öffentlichkeit zu präsentieren. Eine Auswahl an Texten aus der Zeit von 1884 bis 1938 vermittelt Einblicke in die Entwicklung des alpinen Skilaufs zum Freizeitvergnügen der Massen und damit zum bedeutsamsten Wirtschaftsfaktor der Region. Doch nicht nur ökonomische Aspekte stehen im Mittelpunkt der skigeschichtlichen Forschung; vielmehr machen die vielfältigen Beschreibungen des Skilaufs das Lebensgefühl greifbar, welches die Bewegung in der verschneiten Natur den Menschen von Anfang an vermittelte und noch heute vermittelt. Auch die allwinterlichen Lebensbedingungen der Bevölkerung am Arlberg vor der verkehrstechnischen Erschließung des Gebiets durch die Flexenstraße erläuterte Stefan Jochum in seiner Eröffnungsrede und stellte die Bedeutung des Bauwerks für die weitere Entwicklung der Region heraus.

Ein Redakteur des Vorarlberger Volksblattes schrieb vor einhundert Jahren, am 5. Oktober 1909, anlässlich der Einweihung der bahnbrechenden Verkehrsverbindung:

»Jahrhunderte lang hat ein naturwüchsiges, kräftiges Volk dieses hochgelegene, unwirtliche Gebirgstal bewohnt. Sein Leben war und ist heute noch ein harter Kampf mit der strengen Natur, mit den bösen Gewalten der Alpengegend. .... Und heute stehen wir vor der Vollendung der Flexenstraße und ihrer Fortsetzung, der Lechtalerstraße. Die eine setzt in der Richtung nach Süden, die andere in der Richtung nach Osten das weltferne Hochtal mit der Außenwelt in Verkehr. .... Die ganze Anlage ist ein glänzender Triumph des Menschengeistes über die harten Naturgewalten im Dienst der Bevölkerung eines Hochalpentales. Möge das neue Verkehrsmittel den biederen Tannbergern den harten Existenzkampf erleichtern und ihren wirtschaftlichen Wohlstand mächtig fördern und heben, damit dem Lande das gesunde Bauernmark eines kräftigen Menschenschlages erhalten bleibt!«

Als Dauerausstellung auf dem Rüfiplatz in Lech wird die Wand auch künftig zahlreichen Einheimischen und Gästen die Entwicklung des alpinen Skilaufs nahe bringen. Indes bildete die Präsentation der 100-Meter-Wand einen gelungenen Auftakt für das wissenschaftliche Symposium, welches als Plattform für die detailliertere Darstellung aktueller Forschungsergebnisse und künftiger Teilprojekte diente.

 

Erstes wissenschaftliches Symposium von ski.kultur.arlberg

Einblicke in die Projektarbeit »Auf den Spuren eines Wunders in Weiß« präsentierten am 3. Oktober 2009 im Rahmen des ersten wissenschaftlichen Symposiums von ski.kultur.arlberg Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats, wissenschaftliche Mitarbeiter, Diplomanden, Doktoranden und Praktikanten im Hotel Gotthard in Lech am Arlberg.

v.l. Prof. Tschofen und Prof. Schoder

Das Symposium vermittelte zahlreichen Zuhörern sowohl detaillierte Einblicke in, als auch einen Überblick über die aktuelle Forschungsarbeit. Prof. Dr. em. Gustav Schoder, ehemaliger Leiter des Arbeitsbereichs IV des Instituts für Sportwissenschaft der Universität Stuttgart und wissenschaftlicher Beirat von ski.kultur.arlberg, zeigte in seinem Impulsvortrag mit dem Titel »Ski-Kultur, oder: Wie eine Sportart die Welt verändert hat« die gesellschaftsweite Bedeutung des alpinen Skilaufs auf.
Karolina Johnson M. A., wissenschaftliche Mitarbeiterin von ski.kultur.arlberg und Doktorandin, erörterte unterschiedliche mediale Bilder des Skilaufs am Beispiel voneinander abweichender Naturraum-Darstellungen in zeitgenössischen Texten. Die Entwicklung des Skilaufs in Stuben am Arlberg ist Gegenstand des Teilprojektes von Mag. Christof Thöny. In seinem Vortrag veranschaulichte der wissenschaftliche Mitarbeiter  von ski.kultur.arlberg unter anderem den Einfluss von Pionierleistungen auf die Entwicklung des Skilaufs in Stuben am Arlberg. Mag. Birgit Ortner, Archivarin der Gemeinde Lech am Arlberg und Schriftführerin von ski.kultur.arlberg, vermittelte einen Einblick in das historische Archiv der Gemeinde Lech und erläuterte die Kooperation mit ski.kultur.arlberg. Ein Arbeitskonzept, mit dessen Hilfe die Landschaftsentwicklung der Arlberg-Region unter dem Einfluss des Skilaufs analysiert und  dokumentiert werden kann, präsentierte Dipl.-Geol. Waltraud Kull, derzeit Doktorandin am Institut für Wasserbau der Universität Stuttgart.

Eva Burger, Tourismusmanagement-Studentin der FH Kempten, stellte ihr Diplomarbeitsvorhaben vor, mit dem sie die Rolle des Skitourismus in der Entwicklung der Arlberg-Orte Lech und Zürs von agrarisch geprägten Dörfern hin zu dienstleistungsorientierten Tourismus- und Sportdestinationen herausarbeiten wird. Den Entwurf seiner Bachelorarbeit, welche das Thema „Der Einfluss des Militärs auf die Entwicklung des alpinen Skilaufs am Arlberg“ behandeln wird, erläuterte Felix Fischer, Bachelor-Student der Sportwissenschaft und der Geschichte an der Universität Stuttgart.

Johannes Albrecht, Student der Wirtschafts- und Politikwissenschaften an der Universität Innsbruck und ehemaliger Praktikant von ski.kultur.arlberg, berichtete über seine umfassende Literaturrecherche, welche die Basis für die 100-Meter-Wand auf dem Rüfiplatz bildete.

In einem ausführlich gehaltenen Vortrag erläuterte Prof. Dr. Bernhard
Tschofen, Direktor des Ludwig-Uhland-Instituts für Empirische Kulturwissenschaft der Universität Tübingen und Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats von ski.kultur.arlberg, den Begriff der Kultur im allgemeinen und den der Skikultur im besonderen auf der Folie des dem Gesamtprojekt »Auf den Spuren eines Wunders in Weiß« zugrunde liegenden Konzeptes. An exemplarischen Feldern demonstrierte die wissenschaftliche Leiterin des Forschungsprojektes, Dr. Sabine Dettling, methodische Konsequenzen der Ausführungen Tschofens und zeigte anhand von Fotos, Karikaturen, Zitaten und Kurzvideos unter anderem auf, wie in den städtischen Ballungsräumen des Industriezeitalters der Wunsch nach Naturerleben in den Bergen immer stärker und wie dieses Bedürfnis in den Medien repräsentiert wurde.

Robert Strolz, Präsident von ski.kultur.arlberg, zeigte sich in seiner Ansprache erfreut angesichts des Fortschritts der Forschungsarbeiten. „Der Arlberg, das Huber-Hus soll Zentrum des Wissens über die Entwicklung des alpinen Skilaufs werden“, artikulierte Strolz einen wesentlichen Anspruch an die Arbeit von ski.kultur.arlberg. Diesem gerecht werdend, sammelt das Wissenschaftler-Team um Dr. Sabine Dettling schon seit mehreren Jahren Texte, Fotos und Videos, die Studierenden, Wissenschaftlern, Vertretern der Massenmedien und anderen Interessierten zur Verfügung gestellt werden.

In den nächsten Ausgaben des Infoblattes werden die einzelnen Themen schwerpunktmäßig Gegenstand der Betrachtung sein.

 

Einblicke: Berichte aus früheren ZeitungsberichtenAuf

Tannbergs Höhen, Vorarlberger Volksblatt 05. Oktober 1909

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